Zukunft bleibt Zukunft

von | 26.09.2021 | News, Zukunft | 2 Kommentare

Kennen Sie das auch, wenn Sie einen Bericht oder Roman über die “Zukunft” lesen? Oftmals schmückt der Autor die Handlung plakativ mit Dingen wie z.B. Raumschiffen, modernen grünen Städten, fliegenden Autos über sauberen Straßen und dem netten Roboter von nebenan. Immer mit dem Ziel, dem geschätzten Leser zu vermitteln, wie es zukünftig viel viel besser gehen kann!

Auch in der Werbeindustrie hat man verstanden, wie diese Strategie funktioniert – denn auch hier nutzt man oft Fahrzeuge, die dem Konsumenten einen unbekannten, aber modernen Flair vermitteln sollen, damit er das angepriesene Produkt unbedingt besitzen muss. Letztendlich fühlt er sich nach dem Erwerb genauso cool wie z.B. der fliegende Professor oder – auch immer wieder gern genutzt – Mitglieder von “hippen & schicken” Zielgruppen. Was aber würden Sie sagen, wenn viele von den angesprochenen Dingen aus Berichten oder Werbespots bereits existieren und schon jetzt nutzbar wären?

Durchstarten in die Zukunft

Ein schönes Beispiel sind da schon lange die Elektrokleinstfahrzeuge ohne Lenkstange. Ob im Dezember 2019 ein großer Onlinehändler oder Ende April 2021 das Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier mit neuem Schwung per nicht regulierten Fahrzeug in die Zukunft aufbrechen wollen. Immer ist der Tenor gleich: “Bäm, das ist mega cool!” und wir sind so richtig modern unterwegs!

Selbst Szenegrössen wie Tony Hawk werben jetzt für die Autoindustrie und fahren per E-Board, welches teilweise aus Teilen “Made in Germany” besteht elektrisch vor der Kamera. Der bereits erwähnte “fliegende Professor” saust bei einem bekannten Notebookhersteller durchs Bild und vermittelt während des Spots dem nerdigen Hauptprotagonisten plus Zielgruppe die Message “HighTech at its best!”. Jetzt könnte man meinen: “Na läuft doch in Deutschland!” aber leider helfen diese kleinen Nebelkerzen und ihre Erwähnungen unseren deutschen Herstellern von z.B. E-Boards nicht wirklich weiter, wenn die Automobilebranche sich jene in den Kofferraum legt, damit die teuren Conceptcars intermodal und zukunftstauglicher wirken.

Die drohende Pleite

Leider spüren Firmen wie Mellow oder JayKay die Skepsis des Verbrauchers, ihre Produkte zu erwerben, wenn vermutlich eine Regulierung weiterhin viele Jahre auf sich warten lässt bzw. es nicht mal ein Thema im Verkehrsministerium von Andreas Scheuer ist.

Zurück aus der Zukunft in die Gegenwart. Frank Thelen als innovativer Freigeist fährt in der Sendung „Vertretungslehrer” im Intro per OneWheel vor und wirkt gleich um Längen innovativer als Heinz Rühmann per Fahrrad in der Feuerzangenbowle. Auch hat bereits Julian Nagelsmann noch zu Zeiten des RB Leipzig die Vorteile des Elektro-Skateboards erkannt und setzt seine Elektrofahrt beim FC Bayern München an der Säbener Straße weiter munter fort. Vermutlich ist dies alles geschickt vom Regisseur in Szene gesetzt und es gehört in der Werbebranche dazu, aber trotzdem sollte man daran denken, dass es Konsumenten gibt, die diesem Vorbild nacheifern.

Richtig! Wenn Julian oder Frank damit unterwegs sind, dann nutze ich demnächst auch ein elektrisches Einrad, Elektro-Skateboard oder OneWheel! Immer mehr Bundesbürger*innen nutzen stetig ansteigend diese bisher nicht regulierten Fahrzeuge ohne Lenkstange und erkennen deren Vorteile, ohne Frank Thelen oder Julian Nagelsmann jemals gesehen bzw. getroffen zu haben. Leider favorisiert man innerhalb des Verkehrsministeriums weiterhin die simple Lösung, über hohe Strafen die Nutzung dieser Fahrzeuge einzudämmen und dem lokalen Polizeibeamten zusätzlich weitere Arbeitslast aufzubürden. Des Weiteren nimmt man sehenden Auges in Kauf, dass das Risiko von Unfällen ohne Versicherungsschutz mit ggf. Personenschäden daraus entstehen könnte. Gerade, wenn jemand verletzt wurde, steigen die Kosten sehr schnell in fünf- und sechstellige Bereiche. Viele können dies nicht aus eigener Tasche bezahlen. Die Notwendigkeit, eine Regulierung voranzutreiben – von mir aus auch testweise – hätte Weitblick und würde beweisen, dass man innerhalb des BMVI StV 24 aktiv beobachtet, was auf der Straße passiert und im Vergleich zu Europa zeitgemäß unterwegs ist.

Was der kann, kann ich auch!

Fahrrad? Haben Sie sicherlich im Keller, oder? In der Vergangenheit wurde der Vorläufer, das Laufrad, von Karl Freiherr von Drais skeptisch beäugt und verurteilt, ähnlich wie heute seine modernen Nachfahren ohne Lenkstange. Auch beim Nachfolger, dem Fahrrad, welches nun bereits über hundert Jahre auf dem Sattel hat, mussten sich deren Nutzer z.B. gegen Skeptiker behaupten, die sie mit Knüppeln und Steinen attakierten. Die Stadt Berlin zog deshalb 1894 Konsequenzen und verbot das Fahrradfahren. Auch die heute überall gern genutzten Rollerblades saßen 1923 noch etwas klobig am Fuß ihrer Nutzer. Die Verweigerung, Vermeidung von Bewegung oder der Verzicht auf das zu Fuß gehen ruft scheinbar immer wieder Ablehnung innerhalb der Bevölkerung hervor bzw. wird schnell die Maßgabe an deren Nutzer laut, lieber bekannte, sichere und über Jahrzehnte bewährte Fahrzeuge zu nutzen.

Woran liegt es, dass man in Deutschland damals wie heute skeptisch gegenüber neuen Fahrzeugen eingestellt ist? Verpassen wir Deutschen aufgrund von fehlendem Wissen und Skepsis die Zukunft? Sicherlich entdeckt man auch beim Umstieg vom Auto zum Fußgänger neue Perspektiven und Dinge, die einem sonst auf dem Weg zu Arbeit verborgen geblieben wären. Aber geht es nicht auch darum, das kleine “deutsche Spektrum” um Neues zu erweitern? Dass der Bekanntheitsgrad dieser neuen Fahrzeuge noch recht klein ist, beweisen mir immer wieder zahlreiche Begegnungen auf Veranstaltungen, auf denen ich vielen interessierten Besuchern unsere Fahrzeuge vorstelle und zu Probefahrten einlade. Interessanterweise haben Fahrzeuge ohne Lenkstange oft mehr Zulauf als der schon seit über 2 Jahren regulierte E-Scooter.

Früher war alles besser!

Mit diesem Artikel will ich Ihnen nicht vermitteln, dass ich in meinem Leben nie skeptisch war oder noch heute bin. Als 1995 das PEDELEC seine Serienreife erreicht hatte, war mein erster Gedanke: “Warum ein Motor am Fahrrad?” Oder z.B. Google Maps und YouTube: mein Falk-Stadtplan reichte mir immer völlig aus und Vaters VHS-Rekorder von Grundig zeigte problemlos, was ich einen Tag zuvor in ARD/ZDF aufgezeichnet hatte. Heute, 30 Jahre später fährt selbst meine 86-jährige Mutter mit ihrem PEDELEC von Google Maps geleitet staufrei zum Supermarkt, um dort ihre Lieblingsprodukte von Youtube zu erwerben. Ja, Sie haben recht, wir müssen nicht immer jede neue Idee aus “Fernost” oder Kalifornien aufgreifen aber z.B. den E-Scooter gibt es nun bereits seit 1920 und schon damals kämpfte er mit den gleichen Problemen wie heute.

Deshalb ist meine favorisierte Mikromobilität klein, leicht und transportabel. Im Zusammenspiel mit dem ÖPNV/letzte Meile kann sie intermodal eingesetzt und während der Fahrt in Bus/Bahn sicher verstaut werden. Am Ziel nimmt man diese Fahrzeuge mit ins Büro oder zum Sport etc. Der E-Scooter und das Segway sind leider bisher die bis auf weiteres einzigen Fahrzeuge, die legal in Deutschland genutzt werden können. Geräte ohne Lenkstange wie OneWheel, MonoWheel, Elektroskateboard und Hoverboard sind aufgrund fehlender Typenklasse in Deutschland nicht zulassungsfähig bzw. bekommen deshalb keine Versicherung.

“Lieber Nachfolger von Andreas Scheuer, lassen Sie uns nun endlich

reguliert und legal am Straßenverkehr teilhaben!”

Meine Stimme haben Sie schon jetzt 🙂

2 Kommentare

  1. Murmel

    Hallo,

    super geschrieben und “den Nagel auf den Kopf getroffen”. Auch ich bin bekennender MonoWheel-Fahrer und verstehe einfach nicht, warum die Vorzüge der Micro-Mobilität nicht gesehen werden.
    Das Wheel ist klein und lässt sich wirklich einfach und sehr platzsparend im ÖPNV mitnehmen. Der “Footbprint” ist viel kleiner als von Fahrrädern. Auch zu beachten, dass ein PEDELEC auch “nur” aus Metall, Kunststoff und einem Akku besteht. Nur eben auch davon mehr, als eines der im Artikel genannten EkFs…..

    Antworten
  2. m

    deutschland ist nicht zukunftsfähig. es übernimmt entwicklungen von wo anders nach einigen jahren. so ziemlich alles wird in den usa min. 10 jahre vor uns massenweise benutzt. sicherlich ist auch mal was dabei was auf den ersten blick unter geht, aber es geht ja nicht nur unter die innovation ist ja trotzdem da oder die mitarbeiter gehen zu einer anderen firma oder machen eine neue auf. auch kann man ja nicht einfach was von einem anderen land übernehmen, man muß immer erst mal eigene studien machen. und dann muß es immer total sicher sein. ist es aber nicht. besser als immer alles total sicher zu machen wäre ein realistischer blick auf die gefahren. ja man kann mit einem auto zusammenprallen und die gefahr ist absolut real. aber deswegen es pauschal zu verbieten halte ich trotzdem für überzogen. aber anscheinen kann man hier nicht es realistisch darstellen. es ist entweder total unsicher oder total sicher. die meisten internet anwendungen kommen auch alle aus den usa. in deutschland wären diese entwicklungen so garnicht möglich gewesen. die meisten anwendungen sind ja sicher und sicherheit ist immer eine wichtige priorität, z.b. wallet anbieter für krytowährungen und play protect überprüfte apps. aber deutschland geht halt immer den weg des total verbotes oder des untersagens und so kann sich halt oft erst garnichts entwickeln. und nein ein skateboard mit einem kleinen e-motor kann man nicht mit den ganzen internet firmen und allgemein software firmen vergleichen, ganz klar eine ganz andere kategorie. aber dennoch ist es doch wieder vergleichbar bei der überzogenen verunmöglichungsregulierung.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kategorien

Mitglied werden

Für die Legalisierung aller Elektrokleinstfahrzeuge!