Szenen einer Versammlung

Auch in Zeiten von Corona versuchen wir als Verband Aktionen und Mobilitätstage zu unterstützen, soweit es die Coronasituation zulässt und das Hygienekonzept stimmt! Aus diesem Grund haben wir natürlich auch am 08.05.2021 an der seit Monaten geplanten und angemeldeten Versammlung für die Legalisierung von freilenkenden Elektro-Kleinstfahrzeugen in Herdecke teilgenommen.

Leider gestalteten sich Anmeldung und Freigabe durch die lokale Versammlungsbehörde schwieriger als gedacht und die Versammlung war letztlich nur unter äußerst strikten Auflagen möglich.

Versammlungsrecht

Die Tatsache, dass eine von Nutzern von freilenkenden Elektro-Kleinstfahrzeugen angemeldete Versammlung in einigen deutschen Städten nur per Zufußgehen durchgeführt werden darf, ist uns nicht unbekannt. Leider bestätigte sich diese Situation nun auch teilweise in Herdecke.

Die Mitteilung, dass die angemeldeten Fahrzeuge während der Versammlung nicht gefahren werden dürfen, wurde dem Anmelder erst am Tag vor der Veranstaltung zugestellt - und dies, obwohl die Behörde seit der Anmeldung am 29.01.2021 mehrere Monate Zeit zur Stellungnahme hatte. Einer der angeführten Gründe lautete, die mitgeführten Fahrzeuge seien nicht zulassungsfähig und es gehe von diesen Fahrzeugen während einer von der Polizei geschützten Versammlung eine unkalkulierbare Gefahr für Passanten und andere Verkehrsteilnehmer aus, sollten andere Passanten und Verkehrsteilnehmer widerrechtlich in den Demonstrationszug hineinlaufen oder -fahren.

Im Vorfeld der Versammlung wurden strikte Anweisungen erteilt, dass bei Nutzung nicht zulassungsfähiger Fahrzeuge am Treffpunkt (Schulhof des Gymnasiums), die Veranstaltung sofort von der Polizei beendet würde. OK, d'accord! Vor und nach der Versammlung, könnte man meinen, gilt die StVO und dazwischen demonstriert die Gruppe gegen den Missstand der fehlenden Zulassung dieser Fahrzeuge. Aber gleich ohne einen erkennbaren Anlass mit "Abbruch" zu drohen? Wäre ein kurzer Dialog nicht zielführender gewesen bzw. hätte sich nicht so die entspannte Möglichkeit ergeben, dass sich die eingesetzten Beamten über die teilweise auch für sie persönlich völlig neue Art von Fahrzeugen zu informieren?

I´m walking...

"Mit dem Fahrrad nicht in den ersten Wagen!"

Während des Fußmarsches der Teilnehmer durch Herdecke zum abgesperrten Straßenteilstück Wetterstraße wurden einige sich nähernde PKW von der Polizei nicht etwa zum Anhalten aufgefordert, sondern die Versammlungsteilnehmer wurden stattdessen per Lautsprecher aufgefordert, an den Straßenrand zu gehen und somit enger zusammen zu rücken.

Später, innerhalb des extra abgesperrten Straßenteilstücks, war es Autofahrern ohne weiteres möglich, sich nach Freigabe der Beamten vor Ort in die fahrende Gruppe der Versammlungsteilnehmer einzugliedern. Die Demonstrierenden wurden zudem vom zuständigen Motorradpolizisten gestoppt, damit das Ausparken eines PKW ermöglicht werden konnte. Auch die direkte Weiterfahrt dieses PKW zwischen den nicht zugelassenen Fahrzeugen auf der für die Versammlung gesperrten Strecke stellte für die Beamten kein erkennbares Problem dar.

Auf Anfrage einer Passantin "was denn hier los sei?" wurde ihr vom zuständigen Beamten mitgeteilt, dass man heute abgesperrt habe, "weil erwachsene Kinder mit ihren Spielzeugen in Herdecke spielen möchten".

Sicherlich: die Polizei muss unser Anliegen nicht unbedingt teilen oder unterstützen. Aber wäre es nicht der bessere Weg, gegenüber der Fragestellerin neutral, professionell und ohne Wertung aufzutreten?

Teilnehmer Demo Herdecke

Nach meiner persönlichen Wahrnehmung, die ich durch die Besuche mehrerer Versammlungen und auch durch meine Rolle als Veranstalter des Berliner Free Hands Ride machen konnte, sehe ich es so, dass die begleitenden Beamten der Polizei die Teilnehmer "schützen" und ihnen die Ausübung des Demonstrationsrechts ermöglichen sollten. Leider bot sich in Herdecke ein komplett anderes Bild.

Demonstrationen für elektrische Mikromobilität sollten nicht nur in Großstädten wie Berlin oder Hamburg in Form von eskortierten Ausfahrten stattfinden können. Gerade in Kleinstädten, wo der ÖPNV und die Branche der Verleiher nicht so präsent sind, könnten private eKF einen wichtigen Teil der Mobilitätswende ausmachen. Demonstrationen mit diesem Hintergrund könnten für neue Impulse sorgen, zum Umdenken der Bürger führen und auf den Missstand zwischen öffentlicher Wahrnehmung und aktueller Gesetzeslage aufmerksam machen.

Herdecke trifft auf Mikromobilität

Genau aus diesem Grund sind wir regelmäßig auf der Straße, um in der Öffentlichkeit für unsere Fahrzeuge zu werben. Und auch in Herdecke wurden unsere Fahrzeuge wieder von vielen Passanten positiv wahrgenommen.

Am Ende sind ca.120 Fahrer*innen leicht irritiert abgereist, aber der Plan für neue Mikromobilität zu werben und ihr ein Gesicht in Herdecke zu geben wurde erfüllt. Wir bedanken uns bei Yannick für seine Beharrlichkeit und die Energie, diesen GroupRide trotz einiger Widrigkeiten am Ende doch stattfinden zu lassen. Bis bald in [Deiner Stadt].

  • Andreas
    Mai 14, 2021 um 8:31 pm Uhr

    Tolle Aktion!

  • Sebastian Wacker
    Mai 14, 2021 um 11:39 pm Uhr

    Tolle Aktion.
    Ich konnte leider in Herdecke nicht dabei sein. Vielen Dank für den Bericht und die Einschätzungen! Ich fühle mich top informiert!

  • Pitt
    Mai 15, 2021 um 11:56 am Uhr

    So ein Bericht darf ruhig an das Verkehrsministerium geschickt werden. Eine Schande für unsere Demokratie und die Ausübung des Demokratioinsrecht.
    Wird zwar, wie meist nicht viel bringen, aber wissen sollten die schon was da abgegangen ist.

  • Andy
    Mai 21, 2021 um 11:40 am Uhr

    Vielen Dank an Yockel, Nelson und Lars. Super Aktion!
    Ich konnte leider nicht dabei sein. Das nächste mal dann aber wieder!
    Float on. Andy

  • Peter
    Mai 26, 2021 um 10:44 pm Uhr

    Wenn es so war wie Ihr hier schreibt, wurde wieder mal ablenend diffamiert statt angeregend diskutiert, wozu diese Aktion ja einladen wollte. Seit heute ebenfalls stolzer Besitzer eines EUC werde ich mich an nächsten Aktionen dieser Art gerne beteiligen. MAcht weiter so.

    • Lars Zemke
      Mai 26, 2021 um 11:04 pm Uhr

      Hallo Peter, wir haben keinen Grund zu übertreiben sondern schildern nur unsere Beobachtung. Danke für Deinen Support und wir sehen uns auf der nächsten Veranstaltung 🙂

  • Alex Zeman
    Juni 11, 2021 um 5:10 pm Uhr

    Ja, diese Versammlung war in der Hinsicht schon etwas anders.
    Zeigte doch aber auch, das die Autos, die nach dem Ausparken „unsere“ Strecke temporär parallel mitgenutzt hatten keine Probleme darstellten, weder für uns noch für die Autos.
    Somit hat der voreingenommene Polizist uns ja indirekt wieder einen kleinen Gefallen getan. 🙂

  • Kai
    Juni 14, 2021 um 3:54 pm Uhr

    Durch die Stadt mussten wir schieben/laufen. Am Stadtrand angekommen, durften wir auf einer Landstraße eine Stude lang hin und her fahren. Wo uns keiner sieht und wir nicht „stören“.

    Das erklärt auch gut das Geschwätz von dem „Beamten“ und „erwachsenen Kindern“.

    Beim Fahren gesehen hat uns daher keiner. Das beschreibt aber treffend die momentane Situation in Deutschland, zeigt die Absurdität, Ignoranz und Willkür des Gesetzgebers und seiner Handlanger. Das haben wohl auch die Passanten so wahrgenommen.

    Spaß gemacht hat es trotzdem…^^ (sollten wir jeden Monat machen)

  • markus uebel
    Juni 17, 2021 um 9:48 pm Uhr

    auch wenn man das als spielzeug sieht ist es meine sache. und für mich ist das (nicht nur) ein spielzug sondern ich komme unkompliziert einfach direkt praktisch zügig frisch fromm frei mal eben wo hin ohne ein auto einzuschmeißen, ausparken, mit 2 to ca. 100 kg mensch bewegen, da rein rum raus einparken etc. motorrad auch eher mehr aufwand (anziehen, auf andere aufpassen – nein dass soll nicht heißen dass man auf dem e skate board oder e scooter nicht aufpassen muß aber es ist halt schon was anderes ob ich relaxt gechillt auf dem radweg 30 fahre oder mit einer maschine irgendwo im verkehr). es ist einfach alptraum, da gibt es neue (auch nicht mehr, aber für unsere politiker anscheinend) gefährte die echt eine ergänzung erleichterung wären und dann entweder ganz verboten oder unpraktisch überreguliert. in deutschland geht halt garnicht, und alles dauert eweig, gutachten, alle mögliche gruppen und interessenverbände werden gehört. die ganzen internet firmen davon kommt auch keine aus deutschland weil die alle mal gegen dieses oder jenes gesetz verstoßen haben und mann braucht da halt einen gesetzgeber der auch mal was zuläßt und pro fortschritt was erlaubt und dann nach und nach regelt. aber nicht immer erstmal komplett verbieten und dann hier und da nach jahrzehnten vielleicht mal ein klein weniger streng. und dann wird wieder gejammert das alle in die städte ziehen wollen etc. ja mein gott wenn der transport immer teurer wird man aber einfache und unkomplizierte kleine geräte derart überreguliert was soll man machen ? ich bin froh, wenn ich das groß (kraft) fahrzeug stehen lassen kann und irgendwas kleines nehmen wo einem auch noch der wind ins haar fährt. aber man soll anscheinend lieber stoßstange and stoßstange (bin nicht gegen das auto, aber macht sicherlich sinn fahrten wenn möglich mit kleineren verkehrsmittteln zu bestreiten als immer das 2 to ding) gestresst irgendwo hin oder sich auf dem rad einen abstrampeln dass man sich 2 mal am tag duschen muß. danke lieber politiker. ich habe die schnaue echt voll halt mit aber mit schimpfworten zurück aber mir wäre es danach die zu beschimpfen.

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