Glück gehabt!

von | 07.03.2022 | Allgemein, Support | 9 Kommentare

Der tägliche Blick in mein digitales Postfach des Bundesverbandes sorgt auch noch nach 3 Jahren immer wieder aufs Neue für Überraschungen. Mal sind es freundliche Anfragen aus der Community oder von Pressevertretern zum Thema E-Scooter, mal regelmäßigen Einladungen zu interessanten Veranstaltungen/Workshops. Die schönsten Mails sind aber die, welche sich „nach hinten raus“ als etwas Besonderes darstellen.

An der Hand ins Glück!

So erreichte mich fast genau vor einem Jahr im März 2021 eine Anfrage von einem Mitglied des Bundesverbands, in der er mich um Hilfe bei der Suche nach einem „MonoWheel Coach“ in Berlin bat. Ein befreundeter Drehbuchautor plante im neusten Drehbuch für das ZDF eine Szene, in der ein Darsteller mit einem elektrischen Einrad gekonnt durchs Bild fährt und deshalb vorab ein gewisses Training benötigt.

ZDF? Schauspieler? Wer kann das übernehmen? Das MUSS klappen, dachte ich so bei mir. Ich, als E-Boarder im Wissen „MonoWheel Fahren muss ich auch lernen!“ fiel als Coach schonmal in der ersten Planungsrunde aus; aber wem übergibt man nun den Staffelstab damit alles 1a und für alle Beteiligten zufriedenstellend über die Bühne geht?

Unverhofft kommt oft!

Nach direktem Gespräch mit dem Drehbuchautor und Klärung einiger Fakten wie Name der Vorabendserie und Einschaltquote (liegt bei weit über 5 Millionen), war mir beim Auflegen bewusst, dass ich keinem „Klingelstreich“ aufgesessen bin, sondern wir als Verband auf eine professionelle Art liefern müssen. Mit etwas Glück würden wir sogar ein wenig Außenwerbung für unser Anliegen der regulierten Teilnahme am deutschen Straßenverkehr platzieren und ggf. eine neue Zielgruppe erreichen und gewinnen können. Aber wer wird nun Personal-Coach und zeigt Dirk Borchardt wie man elegant und sicher das elektrische Einrad beherrscht?

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Genau! Die Jungs vom wöchentlichen „After Work Ride“ auf dem Berliner Tempelhofer Feld müssen das übernehmen! Holger und sein Bruder Sven fahren seit vielen Jahren “Electric Uni Cycle”, haben die Ruhe weg und eignen sich deshalb perfekt als Lehrer für den richtigen Einstieg.

„Klar machen wir mit!“ meinte Holger, aber DU bist dann auch dabei und lernst endlich elektrisches Einrad-Fahren! Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet, dass ich nun ohne Vorwarnung meinen Schweinehund überwinden muss, um zusammen mit Dirk über das Berliner Feld zu fliegen. Mitte März war es dann soweit und wir trafen uns zu viert mit Helm, Pads und Handschuhen um 16 Uhr am Haupteingang des ehemaligen Berliner Flugfelds im Stadtteil Tempelhof. Nach der Begrüßung und gekonnter Einweisung von Sven und Holger der eingesetzten Einräder V8 und Z10 mussten Dirk und ich aufs Rad steigen und über die naheliegende Wiese wackeln. Die Grünfläche erinnerte zwar eher an aktuelle Berliner Straßenverhältnisse mit Löchern und anderen Unwägbarkeiten, schonte aber prima die Fahrzeuge vor Beschädigungen und federte zusätzliche vorschnelles Absteigen oder umkippen der Protagonisten ab.

Bis zum Sonnenuntergang wurde fleissig geübt!

Schmerzende Waden und blaue Flecken

Die erste Stunde war recht schnell vorbei, in der die beiden Lehrmeister ihre „jungen Padawane“ an der Hand über die Wiese führten und immer wieder gebetsmühlenartig ihre Tipps für das freihändige Fahren wiederholten. Jeder Fahrer beobachte natürlich aus den Augenwickeln den Fortschritt des anderen und so „battleten“ wir uns gegenseitig stumm und verbissen durch die aktuelle Session. Ja und schwupps, plötzlich fährt man die ersten Meter freihändig wild mit den Armen wedelnd und ohne helfende Hand über die Wiese. Alles kommt einem plötzlich so leicht vor und es hat einen gepackt! Das Wheel zwischen den Beinen und nur durch reine Gewichtsverlagerung bewegt man sich vorwärts. Bremsen erfolgt über das gleiche Prinzip, in dem man sich leicht nach hinten lehnt. Klingt eigentlich alles ganz simpel, wenn man nur nicht die ganze Zeit so stocksteif und angespannt auf den Fussrasten stehen würde.

Für Abschnitt 2 dieser Session mussten die Anfänger zur Steigerung der Übung ihre jeweiligen Wheels tauschen. Dirk wechselte auf das große klobige Z10 und ich musste aufs V8 umsteigen. Wer beide Fahrzeuge kennt wird wissen, dass das breite Z10 seinen Nutzer bereitwillig ohne Murren transportiert, während vom Nutzer für das V8 mehr Balance auf Grund des größeren und schmaleren Rads abverlangt wird. Ich persönlich fand diese zweite Übungsrunde äußerst gelungen, denn so mussten wir uns als Newbies im Bereich lenkerloser Elektrokleinstfahrzeuge schnell auf diese neue Herausforderung umstellen. Zum Abschluss des After Work Rides gab es für alle Beteiligten ein kühles Getränk. Dirk plante bereits hoch motiviert unseren nächsten Trainings-Ride und dachte auch über ein gebrauchtes One E+ Wheel für zukünftige eigene Runden nach.

Nicht nur Titelfigur Juri sagt “Einradfahren macht sehr glücklich!”

Leider haben wir es auf dem Weg zur perfekten EUC Ausbildung nur noch auf eine weitere Trainingsrunde in dieser Konstellation geschafft, denn wie sich jeder vorstellen kann, haben bekannte Schauspieler einen vollen Terminkalender. Dennoch hat unser Team vom Bundesverband alles richtig gemacht, denn Dirk übte in seiner zweiten Heimat Wien hoch motiviert in Eigenregie kräftig weiter. Die nächsten Monate blieben wir regelmässig per WhatsApp in Kontakt und die Dreharbeiten starteten pünktlich im September in Eisenach.

Ninebot One E+ Einsteiger-Wheel (Quelle: Sven)

Wie Dirk demnächst als „Juri“ per Einrad unterwegs sein wird lässt sich ab 13. und 20.03. in neuen Folgen von „Nächste Ausfahrt Glück“ im ZDF begutachten und wird parallel natürlich auch in der Mediathek zu finden sein.

Herzlichen Dank

Abschliessend möchte ich mich bei meinen beiden Coaches Sven und Holger für ihre Spontanität, Geduld und Ausdauer bedanken. Auch ein besonderes Dankeschön geht an Dirk Borchardt, welcher über die Vorbereitung zur Rolle nun ein weiterer Fürsprecher zur Legalisierung und Regulierung von lenkerlosen Elektrokleinstfahrzeugen und Mitglied im Verband geworden ist.

Darüber hinaus geht mein zusätzlicher Dank an Drehbuchautor, Produktionsfirma und das ZDF, die mit ihrer Idee einmal über den Tellerrand zu schauen um ein für viele noch unbekanntes Fahrzeug der breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

E-Talk vom 07.03.2022 mit Gast “Dirk Borchardt”

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(Quelle Titelbild: Christiane Pausch)

9 Kommentare

  1. Tetrachromat

    Hallo wie denkt eigentlich der neue Verkehrsminister über eine Legalisierung der Elektrokleinstfahrzeuge?
    Oder ist man immer noch der Meinung, dass man nur mit Lenker lenken kann?
    Was werden wohl dazu die ganzen Surfer, Skifahrer und Snowboarder sagen…?

    VG

    Antworten
    • Lars Zemke

      Hi Bruno, bislang hatten wir noch keine Gelegenheit mit Volker Wissing über das Thema zu sprechen. Wir bleiben dran!

      Antworten
  2. K. Jung

    Hallo Lars, jetzt nach 6 Jahren unfallfreies Fahren und ca. 15.000km mit drei INMOTION V 8, und vorher Ninebot E +, sowie einer abgeschlossen Privat Haftpflicht bei der HDI mit ausdrücklicher Bestätigung, dass mein Wheel versichert ist, habe ich jetzt ein Strafverfahren am Hals, weil es keine Kfz Haftpflicht ist.
    Ausgang noch offen. Die Sache ist beim Anwalt.

    Wenn Intresse vom Ausgang ist, schreibe ich es gerne an dich

    Antworten
    • Lars Zemke

      Tut mir leid zu hören! Sehr gerne kannst Du mich dazu auf dem Laufenden halten.

      Antworten
      • Klaus

        Hallo Ihr Lieben!
        Ich kann euch berichten, dass das Verfahren wegen Nichtigkeit eingestellt wurde. Allerdings hat mich der Anwalt 500€ gekostet. Egal! Was mich echt nervt , überall in Europa ( außer Spanien ) ist das Wheel akzeptiert, nur der deutsche Gesetzgeber muss seinen Bürger bevormunden. Abschließend noch die Bemerkung, das Fahren mit einem Escooter halte ich für gefährlicher. Wenn ich Freihand fahre, kann ich problemlos meinen Hund an der Leine führen und auch noch einen Regenschirm halten! Dann muss ich noch sagen, dass ich schon 72 Jahre alt bin. Schade das Hannover abgesagt wurde. Ich hatte mir vorgenommen zu kommen. Man sieht sich. Klaus.

        Antworten
        • Lars Zemke

          Hallo Klaus, danke für das Update. Vlt könntest Du mir den Schriftverkehr Deines AW zusenden? Würde mich interessieren 🙂 Beste Grüße Lars

          Antworten
          • Klaus

            Lars mache ich! Gib mir mal deine E-Mail. Dann sende ich dir das gleich. LG. Klaus.

    • Dirk Borchardt

      Hallo K. Jung
      Mich würde das auch sehr interessieren. Ich bin mit einem Rechtsanwalt im Gespräch über unser Anliegen EKF’s zu legalisieren. Wir können jede Information im Zusammenhang mit Rechtssprechungen über EKF‘s gut gebrauchen. Danke und alles Gute.

      Was haltet ihr eigentlich von einem Rechtsanwaltsfonds, den unser Verein in Form von Spenden oder Schenkungen für Mitglieder einrichten kann. Das machen andere Organisationen mit ihren Vorhaben auch. Und ich finde einen solidarischen Beistand in einem Verband bei Rechtsangelegenheiten, die unsere Idee von Mobilität unterstützen und fördern könnten durchaus interessant.
      LG Dirk

      Antworten
  3. Klaus

    Hallo Dirk, deinen Vorschlag finde ich gut! Du hast bestimmt gelesen was ich geschrieben habe, dass mein laufendes Verfahren wegen Nichtigkeit eingestellt wurde. Die Anwaltskosten sind trotzdem ärgerlich. LG. Klaus

    Antworten

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