Mainz bleibt Mainz

von | 14.08.2021 | News, Training | 5 Kommentare

Kinder, wie die Zeit vergeht – am 30.12.2020 bekam der Bundesverband eine Anfrage für ein eintägiges Kooperationsseminar der DPolG-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Saarland zum Thema “Neue Mobilitätsformen im Straßenverkehr – Polizeiliche Kontrolle von Elektrokleinstfahrzeugen und Elektrofahrrädern” auf den Tisch.

Der Organisator Marco Schäler war im Rahmen seiner regelmäßigen Autoren- und Referententätigkeit im Bereich “Elektrokleinstfahrzeuge” und einer zusätzlichen Empfehlung vom ebenfalls eingeladenen Kollegen Kay Biewald (ehemaliger Leiter der Fahrradstaffel Berlin) auf die Aktivitäten des Bundesverbands Elektrokleinstfahrzeuge e.V. aufmerksam geworden.

Lotto-Loge

Am 11.08.2021 war es nun endlich soweit und das lange geplante Seminar fand an prominenter Stätte zusammen mit 20 teilnehmenden Polizeibeamt*innen in der OPEL ARENA des 1. FSV Mainz 05 statt. Vermutlich wäre ich im Zusammenhang mit einem Fussballspiel nie im Leben in die Lotto-Loge des Mainzer Stadions vorgedrungen, aber gleichzeitig hätte ich auch nie im Traum daran gedacht, dass es zum Thema „Elektrokleinstfahrzeuge“ einmal klappt.

Stadion 1. FSV Main 05

Pünktlich um 9.oo Uhr gab es nach der Begrüßung durch Herrn Schäler auch direkt eine Einführung in die Thematik und danach zwei sehr anschauliche Vorträge „Rechtliche Einordnung – Elektrofahrräder und Elektrokleinstfahrzeuge“ durch die Herren Biewald und Schäler. Als ehemaligen Leiter der Berliner Fahrradstaffel konnte Herr Biewald sein breites Wissen den interessiert zuhörenden Beamten sehr anschaulich vermitteln.

“Bei uns in Berlin”

Sämtliche Regeln und Gesetze die zum Thema E-Bike existieren und Beachtung finden wurden thematisiert. Aufgrund der für mich als Laie und Zaungast hohen Dichte an Regeln, war es doch irgendwie beruhigend, wenn einmal die Frage „Welcher Paragraph findet hier Anwendung?“ an die Zuhörer ging und nicht sofort jede(r) der Beamten*innen aufstand und direkt alle Regeln aus dem FF runtergepredigte.

Vielmehr nutzten einige direkt die Möglichkeit zum Blick in die bereitstehende Fachlektüre. Denn die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer war auch genau aus diesem Grund in Mainz; um Fachwissen zu sammeln und adäquat bei einer Kontrolle zu reagieren und Tipps zum richtigen Ablauf zu bekommen. Durch den Background der Berliner Fahrradstaffel konnte Herr Biewald seinen Vortrag mit vielen praktischen Beispielen und Fotos von jeder Art von Fahrrad, PEDELEC oder Lastenrad aufpeppen und die eine oder andere Anekdote aus dem aktiven Berliner Polizeidienst wiedergeben. Bitte seht es mir nach, dass ich dazu nicht mehr schreibe oder nur im Ansatz berichte.

Auch im Bereich der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung hätte ich persönlich gedacht alles schon einmal irgendwie gehört zu haben, aber auch hier wurde ich im Vortrag von Herrn Schäler eines besseren belehrt. Wie im damaligen E-Talk gab es einige rechtliche Erläuterungen und Hinweise, die ich persönlich als sehr hilfreich empfand.

Warum nicht schon 2019 ?

Was ich relativ schnell für mich beim Zuhören ableiten konnte, war die Tatsache, dass so ein Workshop jedem im Bereich Verkehr bereits im Sommer 2019 mit der Einführung der eKFV sehr gut weitergeholfen hätte. Umso mehr freue ich mich aber nun, dass wir als Verband 2021 ein aktiver Teil davon sein können und mit unseren Erfahrungen konstruktiv in den Dialog mit der DPolG treten.

Nach einem schmackhaften Essen auf der Sonnenterasse wurde die einsetzende Trägheit nach der Mittagspause durch eine große Praxiseinheit schnell wieder bei allen Teilnehmern verdrängt. In drei Gruppen durften die Beamten*innen nach Einweisung vom ADFC/Verkehrswacht 20 Minuten ein PEDELEC und in Runde 2 einen E-Scooter der Firma Tier testen.

Meine Aufgabe war es, als Ansprechpartner des dritten Fachbereichs die noch unregulierten Fahrzeuge ohne Lenkstange wie z.B. das Elektro-Skateboard, MonoWheel oder OneWheel zur Verfügung zu stellen und Informationen zu den Fahrzeugen, der Community und den Werdegang des Verbands zu vermitteln. Ich war mehr als überrascht, dass viele der Teilnehmer ohne große Scheu jedes Fahrzeug testeten und am Ende mit mir einer Meinung waren, dass ähnlich wie beim Radfahren die sichere Beherrschung dieser Geräte durch geschultes und richtiges Training möglich ist und sich deren Nutzung komplett anders alsbei einem E-Scooter darstellt. Selbst einer der Mitarbeiter vom Anbieter Tier kam nach Abschluss aller Übungseinheiten per E-Scooter rübergefahren und wollte alle Fahrzeuge ohne Lenkstange einmal probefahren.

Einladung

Zurück in der Lotto-Loge ging es noch einmal an den “runden” Tisch um drei weiteren Vorträgen zu den Themen “Tuningmöglichkeiten und beweissichere Dokumentation von Elektrofahrrädern, Elektrokleinstfahrzeugen und den Rechtsfolgen bei Zuwiderhandlungen” beizuwohnen. Die Herren Schäler und Biewald führten mit gewohnter Routine durch ihre Vorträge.

Eine weitere für mich sehr spannende Zusammenfassung hatten zwei Beamte der Polizeiinspektion Koblenz 1 zum Thema “Tuningmöglichkeiten im Bereich E-Scooter” vorbereitet. Als es zur Vorstellung der Strafen und den Beispielen von gestoppten E-Scooter-Nutzern kam, hatte ich spontan die Idee beide Beamte zu einem unserer nächsten E-Talks einzuladen.

Gerade das Thema Prävention war ein wichtiger Bestandteil aller Präsentationen und warum sollten wir nicht per Social Media die Nutzer vorab darüber aufklären, dass der Anbau von z.B. eines LED Leuchtstreifens unterhalb des Trittbretts eines E-Scooters zum Erlöschen der Allgemeinen Betriebserlaubnis führt. Es bleibt aber abzuwarten ob wir ggf. ein OK zur Teilnahme erhalten werden.

Tuningmöglichkeiten im Bereich E-Scooter

Feedback

Natürlich gab es immer wieder die Möglichkeit zum Austausch zwischen den Vorträgen und auch während der Praxisphase über Erfahrungen und Positionen auf beiden Seiten zu sprechen. Viele der Teilnehmer kannten alle an diesem Tag vorgestellten Fahrzeuge aus dem praktischen Dienst und hatten bereits einige Kontrollen hinter sich.

Trotzdem war es mir noch einmal wichtig in den Gesprächen zu betonen, dass ich meine Aufgabe bei diesem Workshop nicht darin sehe, unsere Fahrzeuge ausschließlich zur Verbesserung des Strafmaßes gegen die jeweiligen Nutzer zu präsentieren. Sondern es sollte vielmehr das oberste Ziel sein, die fehlende Regulierung und richtige Einordnung der Fahrzeuge anzustreben bzw. eine einheitliche europäische Basis dafür zu schaffen.

Von Seiten der DPolG als Veranstalter und auch vieler Teilnehmer wurde der Termin als gelungenes Seminar gewertet. Gerade die Präsentation aller durch die Vertreter bereitgestellten Fahrzeuge brachte für die Teilnehmer einen besonderen Mehrwert, der das Blickfeld zusätzlich geweitet hat.

Anafhrt Stadion 1. FSV Main 05

Bis bald!

Mir persönlich hat der Tag viel Freude bereitet und ich konnte im Namen des Bundesverbands sehr viele gute Anregungen und Ideen für weitere Veranstaltungen dieser Art mitnehmen. Vielleicht bis bald? Wir sind gerne wieder dabei wenn es wieder einmal zu einer Zusammenarbeit kommen sollte..

5 Kommentare

  1. Andrea

    Vielen Dank für die Teilnahme und das umfangreiche Feedback.
    Ich kann nur hoffe, daß bald eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird.
    Ich möchte endlich wieder legal und sicher Monowheel fahren können.

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  2. Michael Herzog

    Das sind Veranstaltungen die wirklich etwas bewirken können. Würde mich freuen wenn hierdurch ein Schritt nach vorn gemacht werden kann, damit eine Legalisierung in greifbarere Nähe rückt!

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    • Lars Zemke

      Hallo Michael, ich freue mich dass Du dies ähnlich siehst wie EE. Teilweise behaupten Mitglieder der Community dies wäre nur dazu da, die Polizei “aufzuschlauen” damit Sie uns besser wegfangen kann. Beste Grüße Lars

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      • Michael Herzog

        Das kann man so oder so sehen. Natürlich wird die Polizei hierbei “aufgeschlaut”, allerdings kann es ja nur in einem Miteinander zu einer Regulierung kommen. Die Polizei ist allerdings die Exikutive und es wäre viel wichtiger die Politik “aufzuschlauen”, damit hier entsprechende Verordnungen und Gesetze (Legislative) an den Start gebracht werden, deren Einhaltung dann wieder der Polzei obliegt!

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        • Lars Zemke

          Sicherlich ist es nur ein Anfang die Polizei als Exekutive mit einzubinden aber da die Legislaturperiode in 4 Wochen endet werden wir dann einen weiteren Anlauf im BMVI starten.

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