Mikromobilität – aber sicher!

Bereits im Februar 2020 wurde dieser überaus interessante ITF-OECD-Bericht "Safe Micromobility" veröffentlicht, worin 10 Experten-Empfehlungen zur sicheren Gestaltung von Mikromobilität ausformuliert wurden.

Das Ziel dieser Empfehlungen ist, die größtmögliche Sicherheit bei Nutzung traditioneller Fahrräder, Pedelecs, E-Scooter und vieler neuartiger Varianten elektrischer Kleinstfahrzeuge zu erreichen.

Aufgrund der außergewöhnlichen Corona Situation 2020 haben wir uns als Verband dazu entschieden, eine wortgetreue Übersetzung der 10 Empfehlungen als erste News für das Jahr 2021 zu veröffentlichen, um uns weiterhin dafür einzusetzen, Mikromobilität zu fördern und für mehr Akzeptanz in der Politik, bei Presse und Verbänden zu werben und darüber hinaus den Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung zu erhöhen.

Zusätzlich verlinkt: Die Langfassung des englischen Originalberichts mit Erkenntnissen aus ca. 200 internationalen wissenschaftlichen Quellen sowie die dazugehörige Pressemitteilung

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10 Empfehlungen für sichere Mikromobilität

Wie oben bereits erwähnt untersucht die neue Studie des Internationalen Transport Forums Sicherheitsaspekte in Bezug auf E-Scooter und andere Kleinstfahrzeuge.
Bereits bestehende städtische Verkehrsformen werden durch ein neues Phänomen herausgefordert: Mikromobilität - elektrische Tretroller, e-Bikes, elektrische Skateboards/Einräder und andere leichte Fahrzeuge, die sich großer Beliebtheit erfreuen und neben dem traditionellen Fahrrad für Kurzstrecken genutzt werden können.
Aber ist Mikromobilität sicher? Ein neuer Bericht, herausgegeben vom Internationalen Transport Forum, stellt fest:

  • E-Scooter-Fahrer tragen kein signifikant höheres Risiko als Radfahrer, im Straßenverkehr tödlich oder schwer verletzt zu verunglücken.
  • Kraftfahrzeuge [Anmerkung: Autos, Motorräder] sind an 80% der tödlichen E-Scooter- und Fahrradunfälle beteiligt.
  • Der Verkehr wird sicherer, wenn Fahrten mit dem E-Scooter und Fahrrad die Fahrten von Autos und Motorrädern ersetzen.
  • Die schnell voranschreitende Entwicklung von Kleinstfahrzeugen stellt Regierungen vor die Aufgabe, Regularien zu erlassen, die zukunftssicher sind.

Wie können staatliche Stellen helfen, Nutzer von Kleinstfahrzeugen und Fußgänger vor Unfallfolgen zu schützen?
Dieser Bericht spricht zehn Empfehlungen aus, die an politische Entscheider, Stadtplaner, Nutzer und Hersteller gerichtet sind:

1. Weisen Sie Mikromobilität geschützte Räume zu

Schaffen Sie ein geschütztes und verbundenes Netzwerk für Mikromobilität. Dies kann erreicht werden, indem Verkehr entschleunigt wird oder indem zugewiesene Verkehrsflächen neu erschaffen werden. Kleinstfahrzeuge sollten entweder von Fußgängerwegen verbannt sein oder darauf zu sehr niedrigen Geschwindigkeiten verpflichtet werden.

2. Um Mikromobilität sicher zu machen, konzentrieren Sie sich auf Kraftfahrzeuge

Die Neuerung des E-Scooters sollte nicht davon ablenken, die Risiken zu benennen, die Kraftfahrzeuge [Anmerkung: Autos, Motorräder] für alle anderen Verkehrsteilnehmer bedeuten. Dort, wo schwache Verkehrsteilnehmer den Verkehrsraum mit Kraftfahrzeugen teilen, sollten Geschwindigkeitsbegrenzungen von 30 km/h oder weniger gelten.

Weniger Gewicht + weniger Geschwindigkeit = weniger Gefährdungspotential. Weniger beanspruchter Raum + weniger Emissionen + mehr körperliche Aktivität = mehr Gesundheit.

3. Regulieren Sie langsame Kleinstfahrzeuge wie Fahrräder

Mikromobilität kann städtischen Verkehr nachhaltiger machen. Um eine Überregulierung zu vermeiden, sollten langsame Kleinstfahrzeuge wie z.B. E-Scooter und E-Bikes mit Fahrrädern gleichgestellt werden. Schnellere Kleinstfahrzeuge sollten wie Mopeds reguliert werden.

Typ A und B mit dem Fahrrad gleichstellen, Typ C und D wie Mopeds regulieren.

4. Erheben Sie Daten über Fahrten und Unfälle von Kleinstfahrzeugen

Bisher ist wenig zur Verkehrssicherheit von Kleinstfahrzeugen bekannt. Polizei und Krankenhäuser sollten akurate Unfallstatistiken erheben. Verkehrssicherheits-Organisationen sollten Daten über Fahrzeug-Anbieter, Verkehrsstudien und Verkehrsbeobachtungen erstellen. Die statistische Erfassung von Fahrzeugklassen muss aktualisiert und harmonisiert werden.

Grafische Darstellungen zur korrekten Unfall-Erhebung durch medizinisches Personal

5. Planen Sie die Sicherheit von Straßennetzen pro-aktiv

Viele Kleinstfahrzeuge von Leihanbietern verfügen über Bewegungssensoren und GPS. Diese Funktionen können wertvolle Daten über Schlaglöcher, Stürze und Beinah-Unfälle liefern. Staatliche Autoritäten und Fahrzeug-Anbieter sollten miteinander kooperieren, um diese Daten statistisch zu erfassen und zur Pflege von Verkehrsräumen zu verwenden.

6. Beziehen Sie Mikromobilität in das Verkehrstraining aller Verkehrsteilnehmer mit ein

Verkehrserziehung für Autofahrer, Busfahrer und LKW-Fahrer zum Schutz von Nutzern von Kleinstfahrzeugen sollte verpflichtend sein. Fahrradtraining sollte in Schulen Teil des Lehrplans sein. Diese verschiedenen Arten der Verkehrserziehung sollten regelmäßig bewertet und überarbeitet werden.

7. Sagen Sie Trunkenheit im Straßenverkehr und Geschwindigkeitsübertretungen - über alle Fahrzeugklassen hinweg - den Kampf an

Regierungen sollten Obergrenzen für die Geschwindigkeit und Grenzwerte für Alkohol- und Drogenkonsum für alle Verkehrsteilnehmer festlegen. Dies beinhaltet sowohl Kraftfahrzeug-Führer als auch Nutzer von Mikromobilität.

8. Beseitigen Sie Anreize für hohe Geschwindigkeiten bei Nutzung von Mikromobilität

Sharing-Anbieter der Mikromobilität sollten sicherstellen, dass ihre Preisgestaltung keine riskante Fahrweise fördert. Minutengenaue Abrechnung kann ein Anreiz zu hohen Geschwindigkeiten oder zur Missachtung von Verkehrsregeln sein.

9. Verbessern Sie die Bauart von Kleinstfahrzeugen

Hersteller sollten die Fahrstabilität und die Traktion auf der Straße sicherstellen. Lösungen könnten in der Verwendung von Luftbereifung, größeren Raddurchmessern und fahrstabileren Rahmenformen liegen. Richtungsanzeiger [Anmerkung: Blinker] könnten verpflichtend und die Bremskabel besser gegen Beschädigung geschützt werden.

Die SAE International ist eine gemeinnützige U.S.-Organisation für Technik und Wissenschaft, die sich dem Fortschritt der Mobilitätstechnologie widmet

10. Reduzieren Sie Risiken, die mit dem Betrieb von Sharing-Diensten in Verbindung stehen

Die Verwendung von Lastwagen zum Transport oder Wiederaufladen von Kleinstfahrzeugen sollte minimiert werden, da sie ein zusätzliches Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer bedeuten. Städte sollten Kleinstfahrzeugen Parkräume in Erreichbarkeit von Servicefahrzeugen zuweisen.

Über das ITF:
Das Internationale Transport Forum ist eine Inter-Regierungs-Organisation mit 60 Mitgliedsstaaten. Es agiert als ein Thinktank für Verkehrspolitik und organisiert den jährlichen Gipfel der Verkehrsminister. ITF ist die weltweit einzige Organisation, die alle Verkehrsformen abdeckt. Das Internationale Transport Forum ist verwaltungstechnisch in die OECD integriert, politisch allerdings unabhängig.


Unser Fazit als Electric Empire:

Mikromobilität in all ihren Formen fördern!
Für eine Entlastung der Städte, für eine Entlastung der Umwelt, für mehr Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer!

  • Pitt
    Januar 6, 2021 um 8:00 pm Uhr

    Diese Aufstellung und Übersetzung finde ich sehr toll und passend.
    Das sollte genügen unsere Politiker mal zu bewegen sich die Sach richtig uns neutral anzuschauen.
    Wenn wir jetzt noch eine Lobby hätten, die die Politik beraten kann, die Überzeugungsgeld in die Partei stecken kann, dann könnte man noch sich dieses Jahr was bewegen.
    Bitte nicht falsch verstehen!! Ich bin Optimist, auch in Beziehung auf die Ekfs.
    Ich würde mich sehr freuen wenn dieser Bericht an den richtigen Politiker gerät und er diesen auch zu lesen bekommt und nicht von einem Adlatus abgefangen wird.
    Ich hoffe wir schaffen es dieses Jahr solche Kontakte, ohne finanzielle Aufwendung, zu bekommen.

  • Crania
    Januar 12, 2021 um 1:46 pm Uhr

    Hallo,

    so eine ähnliche Studie wird ja auch hier bei uns in DE durchgeführt.
    Soweit mir bekannt ist, hat das BMVI(Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) die BASt(Bundesanstalt für Straßenwesen) beauftragt, die Teilnahme von PLEV’s(Personal Light Electric Vehicles) am Straßenverkehr wissenschaftlich zu begleiten.
    Hierzu hat die BASt einen Forschungsauftrag an die VUFO (Erhebungsteam der Verkehrsunfallforschung an TU Dresden GmbH) vergeben, der die Belange
    Verkehrssicherheit und Nutzungsverhalten untersuchen soll.
    Das Projekt ist angelegt auf 2,5 Jahre, erste Ergebnisse sind also nicht vor 2023 zu erwarten.
    In DE wird ja alles ganz genau gemacht, das dauert dann allerdings…
    Und bis dann diese Erkenntnisse in Gesetze oder Verordnungen gegossen werden,
    vergeht nochmal wertvolle Zeit.
    Dies ist meines Erachtens ein weiteres Indiz dafür, dass DE im internationalen Vergleich immer mehr abgehängt wird.
    Auf der einen Seite will man die Verkehrswende und die Klimaziele erreichen, aber bei der Durchführung zum Erreichen dieser Ziele geht es nur extrem zäh voran.

    Gruß
    Crania

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